SÜDKURIER am 12. November 2003

Konstanzer Sozialpreis 2003
für Hanspeter Hafen
Anerkennung für Schulklasse

Sehenden die Augen geöffnet

Mit seinem Charme und seiner Gelassenheit hat Hanspeter Hafen schon vielen Sehenden die Augen für Belange behinderter Menschen geöffnet. Der erblindete Lehrer ist seit Jahren in Konstanz und im Landkreis Fürsprecher für körperlich Behinderte. Für seinen Einsatz zeichnen ihn die Bürgerstiftung ProSozial und der SÜDKURIER mit dem Konstanzer Sozialpreis 2003 aus.

VON INGE KÖNIG

Konstanz - Nach zweistündiger Sitzung hatte die Jury zwei Preisträger aus den 16 von SÜDKURIER-Lesern vorgeschlagenen Projekten ausgewählt: Der mit 1500 Euro dotierte Konstanzer Sozialpreis 2003 geht an Hanspeter Hafen. Einen spontanen Anerkennungspreis mit 250 Euro für die Klassenkasse erhält die G10a der Geschwister Scholl Schule. Die Gymnasiasten stellen regelmäßig ihre Arbeitskraft zur Verfügung, um mit dem Lohn Patenkinder in Indien und Afrika zu unterstützen. Die Jury mit dem ProSozial-Vorstandsmitgliedern Günter Tomberg, Wolfgang Münst und Dietrich Eckhardt sowie Inge König von der SÜDKURIER-Lokalredaktion waren von diesem Beispiel sozialen Verhaltens junger Menschen so beeindruckt, dass sie spontan einen Extra-Preis zur Verfügung stellten.

Mit dieser Jury-Entscheidung steht auch der Ort für die Preisverleihung am Freitag, 5. Dezember, um 16 Uhr fest: die Geschwister Scholl Schule. Nicht nur die 10 a geht dort täglich ein und aus, Hanspeter Hafen unterrichtet hier das Fach Ethik. Diese Teilzeitanstellung hat er sich nach seiner Erblindung vor 17 Jahren "erarbeitet", wie er selbst sagt. Durch seine Diabeteserkrankung verlor der Lehrer als 35 Jähriger seine Sehkraft und sah sich am Ende der Berufstätigkeit. Doch Hanspeter Hafen gab nicht auf. Er entwickelte das Projekt der Tonbandzeitung, das vor zwölf Jahren startete und konnte darüber wieder in seinem Beruf Fuß fassen. Seit sieben Jahren hat diese vorgelesene Zeitung einen neuen Namen: Die Abkürzung SPATZ steht für Schüler, Studenten und sozial Engagierte produzieren attraktive Tonband-Zeitung. Das Konzept aus den Anfängen hat Hanspeter Hafen beibehalten: Mit Schülern aller Altersstufen aus Konstanzer Schulen sowie engagierten Erwachsenen trägt er monatlich Texte aus dem SÜDKURIER, Büchern sowie anderen Publikationen zusammen und lässt sie auf Band aufsprechen. Der Nutzerkreis ist groß: 500 vorwiegend ältere Männer und Frauen hören seine Kassetten, die in einer Stückzahl von rund 400 Exemplaren sein Tonstudio im Mondrauteweg verlassen. Sie halten damit auf kostengünstige Weise Kontakt zu ihrem lokalen Umfeld.

Doch nicht nur die Arbeit der Tonbandzeitung überzeugte die Jury. Der Sozialpreis wird Hanspeter Hafen auch als Persönlichkeit zugesprochen. Wo immer er, begleitet von seiner Frau Gabi, auftritt, erinnert er an die Belange körperlich behinderter Menschen. Sei es bein Bau des Aufzugs am Stadttheater oder der Konstruktion einer neuen Fähre. Auch auf Kreisebene erhebt er die Stimme. "Behinderte sind gleich, sie brauchen keine Almosen", ist die Botschaft Hanspeter Hafens, die bei Günter Tomberg, Vorsitzender des Vorstands Bürgerstiftung ProSozial, ankommt. Im Jahr der Behinderten sei der blinde Lehrer ein ermutigendes Beispiel. Hanspeter Hafen will Sehbehinderte und ihre Angehörigen davor bewahren, in Isolation, Lethargie und Depression abzugleiten. Sein SPATZ-Team sendet monatlich Lockrufe der Aktivität und Teilnahme aus.

Bildunterschrift:
Die Argumente sind ausgetauscht. Die Jury der Bürgerstiftung ProSozial und SÜDKURIER-Lokalredaktion mit Inge König, Dietrich Eckhardt und Günter Tomberg (von links) hat aus den von Leserinnen und Lesern vorgeschlagenen Projekten Hanspeter Hafen ausgewählt. Dem blinden Lehrer wird der Konstanzer Sozialpreis am 5. Dezember überreicht. Zugleich erhält die Gymnasialklasse 10 a der Geschwister Scholl Schule einen Anerkennungspreis. BILD:HETZE



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SÜDKURIER am 06. Dezember 2003:

Konstanzer Sozialpreis 2003
am 5. Dezember an der Geschwister-Scholl-Schule verliehen

Eine Schule - zwei Preisträger

Die Bürgerstiftung ProSozial will Brücken bauen zwischen Menschen. Für den von ihr und dem SÜDKURIER ausgelobten Konstanzer Sozialpreis sucht sie jedes Jahr ehrenamtlich Engagierte, die diese Idee umsetzen. In diesem Jahr fanden sich zwei Preisträger: Die Klasse 10 a des Gymnasiums und der Lehrer der Geschwister-Scholl-Schule, Hanspeter Hafen, wurden am gestrigen Abend in der Aula der Schule geehrt.

VON INGE KÖNIG

Konstanz - "Für einen Lidschlag ins Licht der Öffentlichkeit geholt", fand sich Hanspeter Hafen. Der 52-jährige Lehrer verlor vor 17 Jahren sein Augenlicht. 1991 gab er seine erste Kassettenzeitschrift "Konstanz-Info" heraus, die sich inzwischen zum vielbeachteten "SPATZ" gemausert und einen großen Kreis von Zuhörern und Mitarbeitern (siehe nachstehender Bericht) hat. Was normalerweise im kleinen Team und in der Stille des Studios entsteht, wurde gestern im großen Rahmen gefeiert: Hanspeter Hafen erhielt vom Stiftungsvorsitzenden Günter Tomberg den Konstanzer Sozialpreis 2003 und damit einen Scheck mit 1500 Euro überreicht. Günter Tomberg würdigte nicht nur den Einsatz Hanspeter Hafens für die Kassettenzeitung. Er sprach auch sein Engagement für die Belange körperbehinderter Menschen in der Stadt und im Kreis an. "Er ist überall anzutreffen", sagte der Stiftungsvorsitzende. Dazu gehören beispielsweise der Fahrgast-Beirat für den Landkreis Konstanz, der Sprecherrat der IGS (Interessengemeinschaft der Selbsthilfegruppen im Landkreis Konstanz) und natürlich auch die SHG ‚Blinde und Sehbehinderte' im Sozialverband VdK, die er zusammen mit seiner Frau Gabi betreut.

Der Gewürdigte bestätigte diesen Eindruck mit der Schilderung der Alltagssorgen, die Sehbehinderte haben, wenn sie Busfahren oder vor einer stummen Ampel stehen. Einen weiteren Erfolg hat Hanspeter Hafen mit der Auszeichnung errungen: SÜDKURIER-Chefredakteur Werner Schwarzwälder sagte ihm zu, dass die Zeitung ihre Internetpräsentation bald auch für eine Lesesoftware für Blinde zugänglich macht. "Das schafft mehr Lebensqualität", sagte Werner Schwarzwälder bei der Preisverleihung und begründete das Engagement des Medienhauses: "Wie auch der Sozialpreis, wollen wir manchmal "gegen den Strom" schwimmen."

Einen besonderen Auftritt hatte die Klasse 10 a bei der Preisverleihung: Sie erhielt für ihr vor zwei Jahren ins Leben gerufene Projekt den Anerkennungspreis der Jury und damit 250 Euro. Schülerinnen und Schüler bieten ihre Arbeitskraft bei der Apfelernte oder beim Müllsammeln am Seeufer auf der Insel Mainau an, um mit dem Erlös inzwischen drei Patenkinder in Indien und Afrika zu unterstützen. Doch die Gymnasiasten ließen sich nicht nur ehren. Sie gestalteten die Feier mit dem Klassenorchester zu einem freudigen Fest. Ergänzt wurden sie von Percussion-Profis: Die beiden Stuttgarter Musikstudentinnen Teresa Malik und Marion Hafen glänzten mit Marimbaphon- und Vibraphon-Einlagen.

SPATZen-Team

Zum Team von Hanspeter Hafen und seiner Tonbandzeitung gehören Gabi Hafen, Rosemarie Banholzer, Verena Keller, Günther Rau, Ilse Streibert, Siegfried Häse, Lucia Berchner, Christel Seiwert, Walburga Hauser, Dr. Stefan Baumeister, Felicitas Mette, Semi Harrabi, Pino Marco Pizzo, Monika Bochynski, Thomas Jenke, Sascha Hiller, Rasmus Brausse, Marius Bauer, Judith Jauch, Frank Ortolf, Paul Zahn, Ellen Hanzo, Eberhard Merk sowie die Töchter Marion Hafen, Petra Hafen und Luzia Hafen. Als einem der eifrigsten Hörer und Mitarbeiter wurde dem jüngst verstorbenen Hartmut Stocker gedacht. Robert Friedmann (vor 12 Jahren Vorsitzender beim Blindenverein Südbaden und in dieser Funktion "Geburtshelfer" der ersten Tonband-Zeitschrift) war auch als neuer Namensgeber eingeladen. SPATZ steht für Schüler und sozial Engagierte produzieren attraktive Tonband-Zeitung.

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